MUSIKALISCHE REISE DURCH DIE ANDEN

Vor einigen Jahren erklärte die UNESCO zahlreiche große Werke der klassischen Musik zum Weltkulturerbe. Der Wortlaut im Original: „ The UNESCO recognizes these scores as exceptional documents of the intellectual and spiritual history of humankind“.

Dies stimmt mit dem überein, was große Meister wie Bach und Beethoven sagten und taten: Sie widmeten ihre Musik „allen Menschen, von Herz zu Herz“ (Beethoven) und komponierten sie „zur Freude der Menschen und höchster Ehre von Gott“ (Bach). Diesem universellen Auftrag von Bach und Beethoven möchte ich mit meinem persönlichen Engagement in den Bereichen Bildung und Kultur folgen.

2013 entstand das Projekt TRAVESIAS MUSICALES, „Musikalische Reisen durch die Anden“. Mit einem E-Piano reiste ich durch die weitläufigen Regionen der peruanischen Anden, um Konzerte für die Bewohner entlegener Andendörfer zu spielen; für weniger Privilegierte, die keinen Zugang zu  klassischer Musik haben –vor allem für die Kinder!

Bis heute reise ich jedes Jahr nach Peru, wobei die Travesías musicales alljährlicher Bestandteil meiner Reisen sind. Während dieser Travesías spielte ich bis zu vier Konzerte täglich, in Höhen von bis zu 4.500 Metern über Meeresspiegel. Bis zum heutigen Tag waren es mehr als 120 Konzerte für tausende von Andenbewohnern. Eine intensive Erfahrung, erschöpfend und bereichernd zu gleich.

Die Reaktionen? Von unzähligen dankbaren Momenten seien hier nur einige genannt: ein sechsjähriges Mädchen, das seufzend zu Bachs Musik sagt: „Die Musik gibt mir Frieden im Herzen“ – andine Senioren mit Tränen in den Augen, während sie ein Adagio von Beethoven hören – eine Frau, die nach dem Konzert kommt, mich umarmt und sagt: „Danke, dass du an die Vergessenen denkst“. Am Ende eines anderen Konzerts kam die ganze Musikband des Dorfes, um mir, ihrem hermano músico („Musik-Bruder“), ein Ständchen zu spielen.

Dieses Projekt gibt es nicht, um in diese Orte „Kultur zu bringen“. Diese Orte haben eine eigene reichhaltige Kultur seit Jahrhunderten und Jahrtausenden, von der wir Stadtbewohner – teilweise versunken im postmodernen materialistischen Wahnsinn, der jegliches transzendenten Sinnes entbehrt – sehr viel lernen könnten. Es geht nicht darum, „Kultur“ zu bringen, sondern Gerechtigkeit. Gerechtigkeit gegenüber dem Bewohner des letzten entlegenen Dörfchens. Und gleichzeitig Gerechtigkeit gegenüber der großen Meister Bach, und Beethoven, die ihre Musik „für alle Menschen“ komponiert haben.    

In diesem Sinne werden die Travesías weitergehen…